Madrid kulinarisch entdecken: Restaurants, Tapas & unsere Erfahrungen
Madrid und Essen, das gehört irgendwie zusammen. Tapas, Croquetas, Tortilla, Jamón und natürlich Churros stehen vermutlich auf fast jeder Liste mit Dingen, die man in Madrid unbedingt probieren sollte.
Wir haben uns während unserer Woche in Madrid vor allem spontan entschieden, wo wir essen oder etwas trinken gehen. Meistens sind wir einfach dort eingekehrt, wo es uns gerade gefallen hat oder was unterwegs gut aussah. Nur wenn wir einen bestimmten Laden unbedingt ausprobieren wollten, haben wir vorher reserviert. So landeten wir mal bei einem ausgiebigen Frühstück, mal nur bei einem Kaffee und zwei Churros. Mittags haben wir dagegen fast nie richtig gegessen. Viel lieber haben wir uns am Nachmittag für einen Aperitif in eine Bar gesetzt und waren jedes Mal gespannt, ob und welche kleine Tapa zu unseren Getränken auf dem Tisch landet. Abends reichte die Spannweite vom brasilianischen Rodizio über Tapas bis zu einem Restaurant, das wir eher zufällig entdeckt hatten und das am Ende zu unserem kulinarischen Highlight der gesamten Reise wurde.
In diesem Artikel findest du deshalb keine Liste mit den „10 besten Restaurants in Madrid“. Dafür hätten wir uns einmal quer durch die Stadt essen müssen. Stattdessen zeige ich dir, wo wir tatsächlich gegessen und getrunken haben, was wir bezahlt haben und was wir beim nächsten Madrid-Besuch sofort wieder machen würden oder eben auch nicht.
Frühstück in Madrid: Zwischen Medialunas, Eggs Benedict und Supermarkt-Baguette
Unser erstes richtiges Frühstück in Madrid holten wir uns bei Mar del Plata zum Mitnehmen. Zwei Flat White und zwei Medialunas – kleine, croissantähnliche Hörnchen – kosteten zusammen 10,80 Euro. Eine Medialuna war mit Pistaziencreme gefüllt, die andere mit Käse und Jamón. Die Medialunas waren wirklich klein und jeweils nach ungefähr drei Happen verschwunden. Für uns hat das zusammen mit dem Kaffee als Frühstück trotzdem vollkommen gereicht.
Kaffee und Churros für 5,42 Euro
Am nächsten Morgen stand unsere Foodtour an. Ein großes Frühstück wäre deshalb eine ziemlich schlechte Idee gewesen. Stattdessen setzten wir uns vorher ins El Camarote und bestellten zwei Kaffee und zwei Churros. Die Rechnung: gerade einmal 5,42 Euro. Die Churros wurden allerdings kalt und ohne Schokolade serviert und waren geschmacklich eher mittelmäßig. Für ein kleines Frühstück vor der Foodtour hat es gereicht, extra dafür wiederkommen würden wir aber nicht.
Und falls du dich auf dem Foto fragst, wo eigentlich die Churros sind: Die hatten es trotzdem nicht bis zum Foto geschafft.
Brunchit: Sehr lecker, aber deutlich teurer
Ganz anders sah unser Frühstück bei Brunchit aus. Mein Mann entschied sich für eine Joghurtbowl mit Granola und Früchten, bei mir wurden es Eggs Benedict. Dazu gab es einen Cappuccino und außerdem einen Espresso, für den wir uns die verwendete Bohnensorte selbst aussuchen konnten. Geschmeckt hat es uns richtig gut. Mit 38,50 Euro für uns beide war es allerdings auch mit Abstand eines unserer teureren Frühstücke in Madrid.
Revoltosa: Unser Frühstücksknaller für 9,80 Euro
Ein Brot mit Tomaten, Avocado und Mozzarella inklusive Kaffee und Orangensaft sowie ein Joghurt mit Früchten und Granola inklusive Kaffee kosteten uns zusammen gerade einmal 9,80 Euro. Und nein: Für den Preis gab es nicht nur ein Frühstück, das irgendwie seinen Zweck erfüllte. Es war richtig lecker.
Auffällig war auch das Publikum. Während unseres Besuchs saßen dort erstaunlich viele Gäste in Anzug, Hemd und Krawatte zusammen. Revoltosa scheint zumindest unter der Woche ein beliebter Treffpunkt für ein Frühstück oder einen Termin unter Geschäftsleuten zu sein.
Noch gut zu wissen: Bezahlt wird nicht am Tisch, sondern am Tresen. Wer nach dem Frühstück also darauf wartet, dass jemand mit der Rechnung kommt, wartet möglicherweise ziemlich lange.
Im direkten Vergleich zu den 38,50 Euro bei Brunchit zeigt sich ziemlich gut, wie groß die Preisspanne beim Frühstück in Madrid sein kann. Uns haben beide Frühstücke geschmeckt – beim Preis-Leistungs-Verhältnis hatte Revoltosa für uns allerdings einen ganz besonderen Platz.
Und manchmal wird es eben der Supermarkt
Am Wochenende lernten wir noch etwas anderes über das Frühstücken in Madrid: Wer spontan loszieht, braucht unter Umständen Geduld. Die Frühstückslokale waren teilweise so voll, dass wir keinen Platz bekamen. Normalerweise hätten wir einfach gewartet oder wären noch ein Stück weitergezogen. An diesem Morgen hatten wir dafür allerdings keine Zeit: Für uns ging es zum Formel-1-Qualifying an den Madring und wir wollten rechtzeitig an der Strecke sein. Also holten wir uns lediglich zwei frisch gemachte Säfte in einem Fruchtladen an unserem Platz. Zusammen kosteten sie 8 Euro. Den Rest des Frühstücks besorgten wir kurzerhand im Supermarkt.
Am nächsten Morgen waren wir schlauer und hatten bereits vorgesorgt. Es gab Baguette mit Zutaten aus dem Supermarkt und der Käse vom Abend zuvor bekam ebenfalls noch seinen großen Auftritt. Nicht besonders instagrammable, dafür ziemlich realistischer Reisealltag.
Aperitif in Madrid: Unser liebster Zwischenstopp
Ein klassisches Mittagessen gab es bei uns in Madrid fast nie. Dafür entwickelten wir ziemlich schnell eine andere Gewohnheit: Irgendwann am Nachmittag suchten wir uns eine Bar, bestellten Tinto de Verano, Vermut oder Bier und machten einfach eine Pause. Denn zu unseren Getränken bekamen wir in vielen Bars eine Tapa dazu, ohne sie extra bestellt zu haben. Und mit ein paar Chips oder Oliven war es dabei längst nicht immer getan. Teilweise waren die Portionen so groß, dass sie uns als kleine Zwischenmahlzeit vollkommen gereicht haben.
Besonders spannend fanden wir, dass es nicht unbedingt bei einer Tapa blieb. War der Teller leer und wir bestellten noch eine Runde Getränke, kam häufig auch eine neue Tapa auf den Tisch und das musste keineswegs das Gleiche sein wie zuvor. So wusste man vorher nie ganz genau, ob als Nächstes Chips, Gildas, Cracker oder sogar eine warme Tapa vor einem stehen würde. Für uns war das schnell die perfekte Alternative zum Mittagessen: etwas trinken, eine Kleinigkeit essen, eine Weile sitzen und anschließend weiter durch Madrid ziehen. Gerade an den warmen Septembertagen hätten wir ein großes Mittagessen ohnehin nicht gebraucht.
Plaza de Chueca: Einfach dort hinsetzen, wo gerade Platz ist
Als wir an unserem ersten Abend gegen 20:30 Uhr endlich im Hotel ankamen, hatten wir ein kleines Luxusproblem: Hunger hatten wir überhaupt keinen mehr. Nach dem Essen auf unserem Business-Class-Flug nach Madrid und den vorherigen Besuchen in den Lounges waren wir für diesen Tag mehr als ausreichend versorgt. Direkt ins Bett wollten wir trotzdem noch nicht, schließlich waren wir gerade erst in Madrid angekommen.
Also gingen wir noch einmal raus zur Plaza de Chueca, die direkt bei unserem Hotel lag. Rund um den kleinen Platz befinden sich gleich mehrere Bars mit Außentischen. Einen bestimmten Favoriten hatten wir dabei nicht. Unsere Strategie während der gesamten Woche war wesentlich einfacher: Wir setzten uns dort hin, wo gerade ein Tisch frei war. An unserem ersten Abend landeten wir so in der Bar Truco. Dort gab es für uns einen Sarti Spritz, ein paar Bier und dazu Kartoffelchips als Tapa. Insgesamt zahlten wir 20,10 Euro. Für den ersten Abend war das genau richtig: noch ein bisschen draußen sitzen, in Madrid ankommen und den Tag ausklingen lassen, ohne noch irgendwo ein großes Abendessen bestellen zu müssen. Und weil die Plaza de Chueca während unserer Reise praktisch vor unserer Haustür lag, kamen wir immer wieder hier vorbei. So landeten wir später noch einmal in der Bar Truco. Diesmal zahlten wir für unsere Getränke 10,55 Euro und bekamen Minisalami mit Crackern als Tapa dazu.
Auch die Bar Chuecking probierten wir auf diese Weise aus. Für unseren Aperitif zahlten wir dort insgesamt 20 Euro. Am letzten Abend ergatterten wir schließlich noch einen Platz im Palosanto, wo wir für unseren Aperitif auf 14 Euro kamen. Gerade am Wochenende merkten wir allerdings, dass unsere Strategie einen kleinen Haken hatte: Die Bars rund um die Plaza de Chueca waren teilweise richtig voll. Wer einfach spontan vorbeikommt, muss dann damit rechnen, keinen freien Tisch zu bekommen oder etwas zu warten.
Taberna Real: Tinto de Verano und Gildas gegen die Mittagshitze
Am nächsten Tag wurde es gegen Mittag ordentlich warm. Nach einigen Stunden zu Fuß durch Madrid brauchten wir gegen 14 Uhr vor allem eine Pause und etwas Kaltes zu trinken. Wir landeten in der Taberna Real und bestellten zwei Tinto de Verano und ein paar Bier. Dazu bekamen wir Gildas – kleine Spieße aus Oliven, Sardellen und Silberzwiebeln. Die Gildas waren ein gutes Beispiel dafür, warum wir während unserer Reise kaum ein klassisches Mittagessen brauchten. Zusammen mit den Getränken reichten sie uns vollkommen als kleine Zwischenmahlzeit, bevor es anschließend weiter durch Madrid ging.
Insgesamt zahlten wir in der Taberna Real 30 Euro. Damit gehörte dieser Aperitif zu den etwas teureren unserer Reise. Dafür sitzt man hier auch ausgesprochen zentral zwischen Königspalast, Oper und der Gegend rund um die Puerta del Sol. Die prominente Lage machte sich entsprechend auch bei den Preisen bemerkbar. Und spätestens hier hatte der Tinto de Verano bei uns gewonnen. Bei den warmen Temperaturen wurde die Mischung aus Rotwein und Zitronenlimonade während unserer Woche zu einem unserer liebsten Getränke für eine Pause zwischendurch.
Bar Sidi: Zwischen Locals und mit einer überraschend guten Tapa
Am Tag unserer Foodtour hätten wir eigentlich überhaupt nichts mehr zu essen gebraucht. Nach mehreren Stopps und entsprechend vielen Kostproben waren wir erst einmal mehr als satt. Für eine Pause und etwas zu trinken war aber natürlich noch Platz. So landeten wir später in der Bar Sidi und bestellten Tinto de Verano und Bier. Die Bar wirkte dabei ganz anders als einige unserer Stopps in den touristischeren Ecken Madrids. Während unseres Besuchs saßen hier vor allem Einheimische, und genau so fühlte es sich auch an: eher wie eine unkomplizierte Bar aus der Nachbarschaft als wie ein Laden, der auf Madrid-Besucher ausgerichtet ist.
Zu den Getränken bekamen wir eine warme Tapa mit weißen Bohnen. Optisch war das vielleicht nicht das spektakulärste Gericht unserer Madrid-Reise, geschmacklich dafür eine echte Überraschung. Die Bohnen waren richtig lecker und wieder ein schönes Beispiel dafür, dass man bei der Tapa zum Getränk nie so genau wusste, was als Nächstes auf dem Tisch stehen würde. Für unsere Getränke inklusive Tapa zahlten wir zusammen gerade einmal 8,45 Euro.
Und obwohl wir nach der Foodtour zunächst überzeugt waren, für diesen Tag wirklich genug gegessen zu haben, sollte sich das einige Stunden später doch noch ändern. Am Abend landeten wir nämlich noch bei LaLima, aber dazu später mehr.

Oliva Lima: Ein Aperitif mit Folgen
Manchmal entdeckt man die besten Adressen genau dann, wenn man eigentlich überhaupt nicht danach sucht.
Nach unserem Abend bei Los Espetinhos brauchten wir wegen der Runde Rodizio einen ausgiebigen Verdauungsspaziergang, denn wir waren so satt, dass an weiteres Essen wirklich nicht mehr zu denken war. Trotzdem entdeckten wir unterwegs Oliva Lima und gingen noch auf ein Getränk hinein. Oliva Lima ist eigentlich eine mexikanische Weinbar. Während mein Mann sich für einen Vermut entschied, ließ ich mich bei der Auswahl meines Rotweins beraten. Und was soll ich sagen: Die Beratung war exzellent. Der empfohlene Wein traf genau meinen Geschmack und der Laden hatte damit schon beim ersten Besuch einige Pluspunkte gesammelt.
Zu unseren Getränken gab es außerdem ein kleines Canapé: ein knuspriges Blätterteig-Pastetchen, gefüllt mit einer Fischcreme. Eigentlich nur eine Kleinigkeit zum Getränk, aber die war richtig gut. Und spätestens damit waren wir neugierig, was die Küche dort sonst noch zu bieten hatte. Für Wein und Vermut zahlten wir an diesem Abend gerade einmal 7,40 Euro. Aber dabei entdeckten wir das hoch beliebte wöchentlich wechselnde Menü mit 10 verschiedenen Tapas. Das mussten wir natürlich probieren, also vereinbarten wir für den nächsten Abend einen Termin, um das komplette Tapas-Angebot auszuprobieren.
Eigentlich hätte es nur ein spontaner letzter Drink auf dem Weg zurück zum Hotel werden sollen. Stattdessen wurde daraus eine der besten Entdeckungen unserer Madrid-Reise. Wie gut diese Entscheidung tatsächlich war, erzähle ich weiter unten bei unseren Abendessen.
Abendessen in Madrid: Von okay bis zum besten Essen der Reise
Während wir Frühstück und Aperitif meistens spontan entschieden, wurde es beim Abendessen etwas abwechslungsreicher. Mal landeten wir einfach irgendwo, mal hatten wir einen bestimmten Laden im Kopf und einmal vereinbarten wir sogar schon am Vortag einen Termin. Preislich war die Spannweite ebenfalls ordentlich: vom unkomplizierten Abendessen für rund 25 Euro bis zu mehr als 90 Euro im Mercado de San Anton. Und geschmacklich war tatsächlich alles dabei, von „müssen wir nicht noch einmal haben“ bis zu unserem kulinarischen Highlight der gesamten Madrid-Reise.
Taberna La Ancha: Unsere erste Tortilla in Madrid
Unser erstes richtiges Abendessen führte uns in die Taberna La Ancha im Mercado de San Antón. Wir bestellten zwei Tortillas, darunter eine Variante mit Pulpo. Vielleicht waren unsere Erwartungen an eine Tortilla in Madrid einfach zu hoch, denn beide fanden wir eher unspektakulär. Die Variante mit Pulpo war zusätzlich ziemlich salzig und konnte uns deshalb noch weniger überzeugen.
Schlecht war das Essen nicht, aber es gehörte definitiv nicht zu den Gerichten, wegen denen wir noch einmal zurückkommen würden. Zusammen mit unseren Getränken zahlten wir 22 Euro. Damit war das Abendessen vergleichsweise günstig. Geschmacklich sollte Madrid uns in den nächsten Tagen aber noch deutlich mehr bieten.

LaLima: Loaded Tacos nach der Foodtour
Nach unserer Foodtour waren wir zunächst ziemlich sicher, dass wir an diesem Tag kein richtiges Abendessen mehr brauchen würden. Einige Stunden und einen Aperitif in der Bar Sidi später sah die Sache allerdings schon wieder anders aus und wir bekamen doch noch Hunger. So landeten wir am Abend bei LaLima und bestellten Loaded Tacos. Und „loaded“ war hier durchaus wörtlich zu nehmen.
Vor uns stand ein riesiger Berg Tacos mit Pulled Beef, Jalapeños, Avocadocreme, Sour Cream, sehr viel Käse und einer zusätzlichen scharfen Sauce. Vom Pulled Beef hätte es für unseren Geschmack gerne etwas mehr sein dürfen, ansonsten waren die Tacos aber richtig gut. Auch die Schärfe passte: ordentlich vorhanden, ohne dass sie den Rest geschmacklich überdeckt hätte. Zusammen mit Bier und Wein zahlten wir 25 Euro. Für die Menge und das, was wir auf dem Teller hatten, fanden wir das absolut in Ordnung.

Los Espetinhos: Beim Rodizio unsere Kapazitäten überschätzt
Nach mehreren Tagen mit Tapas, Croquetas und Co. hatte mein Mann einen ziemlich eindeutigen Wunsch: Fleisch. Also reservierten wir für den Abend einen Tisch bei Los Espetinhos, einem brasilianischen Rodizio Restaurant. Das Prinzip klang schließlich hervorragend. Verschiedene Fleischsorten werden nacheinander am Spieß an den Tisch gebracht und man kann sich durch das Angebot probieren, solange noch etwas hineinpasst.
Wir waren allerdings deutlich weniger leistungsfähig, als wir vorher gedacht hatten. Wir schafften gerade einmal eine Runde mit den verschiedenen Fleischspießen und probierten dazu den einen oder anderen Dip. Die Beilagen haben wir nicht einmal angerührt. Danach waren wir beide so satt, dass wirklich nichts mehr ging. Das Fleisch war gut, nur unser ambitionierter Plan, uns ausgiebig durch das Rodizio zu essen, war damit ziemlich schnell beendet. Für uns beide zahlten wir insgesamt 80 Euro. Hungrig sind wir an diesem Abend definitiv nicht nach Hause gegangen.
Wobei wir auf dem Rückweg trotzdem noch Platz für einen Wein und einen Vermut bei Oliva Lima gefunden haben. Essen wäre unmöglich gewesen, trinken ging offenbar noch.
Oliva Lima: Unser bestes Essen in Madrid
Nachdem uns Oliva Lima am Vorabend mit der hervorragenden Weinberatung und dem kleinen Canapé neugierig gemacht hatte, kamen wir am nächsten Abend wie vereinbart wieder. Dieses Mal entschieden wir uns für das komplette Degustationsmenü. Für 33 Euro pro Person wurden innerhalb von 90 Minuten alle Gerichte des Menüs serviert. Dazu waren Wein, Cava, Bier vom Fass, Vermut, Wasser und Softdrinks unbegrenzt inklusive.
Schon beim Blick auf die Karte wurde klar, dass uns hier keine gewöhnliche Tapasrunde erwartete. Los ging es unter anderem mit Mango-Gazpacho mit Tajín, Muscheln, Esquites mit Chamoy (Maissalat mit scharfer Soße) und einem kleinen Hörnchen mit Stopflebercreme und Sardelle. Ausgerechnet dieses Häppchen ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Stopfleber mag ich eigentlich überhaupt nicht und entsprechend skeptisch war ich. Aber hier funktionierte die Kombination perfekt: die cremige Stopfleber auf einer süßen Waffel und dazu die salzige Sardelle. Und das Erstaunlichste daran war, dass es überhaupt nicht nach Leber schmeckte. Süß, salzig und cremig ergänzten sich so gut, dass dieses kleine Häppchen für mich tatsächlich ein Traum war.
Bei den warmen Gerichten folgten unter anderem ein Bao mit Tinga de Pollo (Baobun mit gerupftem Hühnchen und eingelegten Zwiebeln) und Pico de Gallo, ein knuspriger Kartoffel-Taco mit grüner Salza und Quesabirria (Tortillia mit Käse und Pulled Beef). Zum Abschluss gab es eine kleine Tartelette mit Mango-Mousse und Minze. Besonders beeindruckend fanden wir dabei, wo all diese Gerichte entstanden: Die Küche im Oliva Lima ist winzig und dürfte gerade einmal etwa sechs Quadratmeter groß sein. Trotzdem kam ein Gang nach dem anderen aus dieser kleinen Küche.
Und wer jetzt genau dieses Menü probieren möchte, hat möglicherweise Pech. Die Karte wechselt jede Woche, sodass bei einem späteren Besuch ganz andere Gerichte auf dem Tisch stehen können. Für uns macht genau das Oliva Lima noch interessanter, denn bei einem weiteren Madrid-Besuch könnten wir uns dort praktisch wieder komplett neu überraschen lassen.
Für uns war es mit Abstand das beste Essen der gesamten Madrid-Reise. Nicht nur einzelne Gerichte waren richtig gut, sondern vor allem die ungewöhnlichen Kombinationen machten das Menü so spannend. Am Ende zahlten wir für uns beide 66 Euro inklusive der Getränke. Ausgerechnet die kleine mexikanische Weinbar, in die wir am Vorabend völlig spontan für einen letzten Drink gegangen waren, wurde damit zu unserem kulinarischen Highlight in Madrid.
Entre Santos: Cocktailbar mit sehr gutem Essen
Für unseren letzten Abend landeten wir im Entre Santos. Eigentlich ist Entre Santos eher eine Cocktailbar mit Essen als ein Restaurant mit Cocktailkarte und genau das war für uns an diesem Abend perfekt. In Ruhe etwas trinken, dazu ein paar Gerichte bestellen und das Essen eher nebenbei teilen, statt noch einmal ein klassisches großes Abendessen vor sich stehen zu haben. Umso besser, dass nicht nur die Cocktails, sondern auch die Küche richtig gut war. Nach Oliva Lima war Entre Santos für uns ganz klar die Nummer zwei unserer Madrid-Reise.
Wir bestellten die Patatas Bravas „Entre Santos“, vier hausgemachte Croquetas mit Ropa Vieja (Kroketten mit Pulled Beef) und gegrillte Baby-Calamari mit Apfel-Minz-Kompott. Gerade die Calamari waren für uns ein Volltreffer. Die Kombination aus herzhaftem, gegrilltem Calamari mit der fruchtigen Süße des Apfels und der frischen Minze klingt zunächst etwas ungewöhnlich, funktionierte aber richtig gut. Auch die Croquetas mit Ropa Vieja waren eine schöne Abwechslung zu den klassischen Croquetas, die wir während unserer Woche schon mehrfach gegessen hatten. Die drei Gerichte waren für uns beide vollkommen ausreichend, wobei das natürlich stark davon abhängt, wie groß der Hunger ist.
Und natürlich gehörte für mich in einer Cocktailbar auch ein Cocktail dazu. Ich entschied mich für den Love Chueca, während mein Mann beim Bier blieb. Für Essen und Getränke zahlten wir zusammen 55 Euro. Für uns war Entre Santos damit der perfekte Abschluss der Reise: gute Drinks, richtig gutes Essen zum Teilen und ein Abend, bei dem das Essen ausnahmsweise einmal nicht die Hauptrolle spielen musste, obwohl es sie geschmacklich durchaus hätte übernehmen können.

Lata Barra: Wie aus acht Croquetas plötzlich ein halbes Menü wurde
Im Mercado de San Antón landeten wir bei Lata Barra. Das Schöne am Markt: Im ersten Obergeschoss gibt es einen gemeinsamen Sitzbereich. Man bestellt sein Essen am jeweiligen Stand, sucht sich einen Platz und bekommt die Bestellung anschließend an den Tisch gebracht. Man muss also nicht direkt am Stand sitzen oder mit Tellern durch den Markt laufen.
Unsere Bestellung begannen wir zunächst auf eher gebrochenem Spanisch bei einer Mitarbeiterin, die vermutlich zur Küche gehörte. Zumindest war sie ziemlich schnell verschwunden, als der Chef auftauchte und die Bestellung auf Englisch übernahm.
Und damit nahm das Ganze eine interessante Wendung. Als wir acht Croquetas bestellen wollten, winkte er sofort ab. Acht seien viel zu viele, vier würden für uns vollkommen reichen. Klang vernünftig. Also wurden es vier unterschiedlich gefüllte Croquetas, spanische Kroketten, unter anderem mit Trüffel, Schinken sowie Garnele und Aioli. Doch kaum hatte er uns erfolgreich vier Croquetas ausgeredet, begann er den gerade gewonnenen Platz anderweitig zu füllen. Zum Schinken würde doch noch Käse passen. Mein Mann stimmte zu. Perfekt. Und die Cannelloni sollten wir unbedingt probieren, die könne er uns schließlich nur empfehlen.
So standen am Ende neben den vier Croquetas auch Jamón, spanischer luftgetrockneter Schinken, eine Käseplatte, Pan con Tomate (geröstetes Brot mit Tomate) und die empfohlenen Cannelloni mit Pulled Beef vor uns. Und tatsächlich: Die Cannelloni waren richtig lecker. Nur hätten wir sie von der Menge her überhaupt nicht mehr gebraucht. Für uns beide war das Essen insgesamt schlicht zu viel. Die vier Croquetas statt acht waren also durchaus eine gute Idee, nur hätten wir den dadurch gewonnenen Platz vielleicht nicht sofort wieder mit weiteren Gerichten auffüllen sollen.
Zusammen mit unseren Getränken zahlten wir am Ende 92,60 Euro. Trotz der viel zu großen Menge war Lata Barra geschmacklich für uns keineswegs ein Fehlgriff. Im Gegenteil: Nach Oliva Lima und Entre Santos landet Lata Barra bei unseren Abendessen sogar auf Platz drei. Beim nächsten Mal würden wir nur deutlich weniger bestellen und uns bei den zusätzlichen Empfehlungen etwas schwerer überzeugen lassen. Immerhin hatte die große Bestellung noch einen praktischen Nebeneffekt: Den Käse, den wir nicht mehr schafften, nahmen wir mit und packten ihn am nächsten Morgen auf unser Baguette.

Unser Fazit: Wo würden wir in Madrid wieder essen?
Nach einer Woche Madrid haben wir vor allem eines gelernt: Man muss nicht jeden Restaurantbesuch vorher planen, um richtig gut zu essen. Einige unserer besten Entdeckungen entstanden spontan und ausgerechnet Oliva Lima, wo wir eigentlich nur noch auf einen letzten Wein und Vermut eingekehrt waren, wurde am nächsten Abend zu unserem kulinarischen Highlight der gesamten Reise.
Oliva Lima würden wir deshalb ohne zu überlegen wieder besuchen. Allein weil das Degustationsmenü jede Woche wechselt, könnten wir dort beim nächsten Mal etwas völlig anderes erleben. Direkt dahinter kommt für uns Entre Santos. Die Mischung aus Cocktailbar und richtig gutem Essen zum Teilen passte perfekt zu uns. Auch bei Lata Barra im Mercado de San Antón würden wir wieder bestellen, nur beim nächsten Mal deutlich weniger. Geschmacklich gehört der Stand für uns zu den drei besten Adressen dieser Reise. Die zusätzlichen Cannelloni waren zwar richtig lecker, von der Menge her hätten wir sie aber problemlos weglassen können.
Beim Frühstück würden wir sofort wieder bei Revoltosa vorbeischauen. Für insgesamt 9,80 Euro bekamen wir dort ein richtig gutes Frühstück für zwei Personen und damit eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse unserer Reise. Auch Brunchit hat uns sehr gut gefallen, obwohl wir dort mit 38,50 Euro für das Frühstück deutlich mehr bezahlt haben.
Was wir bei einem weiteren Madrid-Besuch aber ganz sicher wieder machen würden, hat weniger mit einer bestimmten Adresse zu tun. Unsere nachmittäglichen Aperitif-Pausen mit Tinto de Verano, Vermut oder Bier und einer Tapa dazu wurden innerhalb weniger Tage zu einem festen Bestandteil unserer Reise. Für uns war das die perfekte Alternative zu einem klassischen Mittagessen und gleichzeitig eine wunderbare Gelegenheit, zwischendurch einfach eine Weile sitzen zu bleiben und Madrid an uns vorbeiziehen zu lassen.
Genau deshalb würden wir auch beim nächsten Mal nicht versuchen, jeden Restaurantbesuch schon vor der Reise festzulegen. Ein paar interessante Adressen würden wir uns in unserer Reiseplanung vormerken und vor Ort entscheiden, worauf wir gerade Lust haben und was in der Nähe liegt. Den Rest würden wir wieder dem Zufall überlassen. Denn ausgerechnet die spontanen Stopps gehörten am Ende zu den besten kulinarischen Erinnerungen unserer Woche in Madrid.
Deine Madrid-Planungstools
Für einen entspannten Städtetrip nach Madrid:
Vom Flughafen in die Innenstadt: Für ein offizielles Taxi vom Flughafen Madrid-Barajas zu einem Ziel innerhalb der M-30 gilt ein Festpreis von 33 Euro pro Fahrt. Günstiger geht es mit dem Zug. Wir haben für die Fahrt in die Innenstadt 7,80 Euro pro Person bezahlt und mussten in Chamartín umsteigen.
Touren & Erlebnisse: Tickets, Führungen und besondere Aktivitäten in Madrid findest du bei GetYourGuide.
Adiós,
Susann
FAQ: Essen und Trinken in Madrid
Was kostet Essen in Madrid? Die Preise unterscheiden sich stark. Wir haben für ein komplettes Frühstück für zwei Personen nur 9,80 Euro bezahlt, bei einem anderen Frühstück waren es 38,50 Euro. Unsere Abendessen für zwei Personen lagen zwischen 22 Euro und 92,60 Euro inklusive Getränke. Es kommt also sehr darauf an, wo und wie umfangreich du essen möchtest.
Bekommt man in Madrid Tapas kostenlos zum Getränk? In vielen Bars haben wir zu unseren Getränken eine kleine Tapa bekommen, ohne sie extra zu bestellen. Das waren nicht nur Chips oder Oliven. Bei uns gab es beispielsweise Gildas oder warme weiße Bohnen. Bestellten wir eine weitere Runde Getränke, kam teilweise auch eine neue Tapa. Darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht, denn nicht jede Bar handhabt das gleich.
Sind Tapas in Madrid so klein wie beim Spanier in Deutschland? Nicht unbedingt. Wer bei Tapas an die kleinen Schälchen denkt, die man aus vielen spanischen Restaurants in Deutschland kennt, kann sich bei der Bestellung schnell verschätzen. Auch in Madrid werden viele Gerichte zum Teilen bestellt, die Portionen waren bei uns aber teilweise deutlich größer und gut und gerne zwei- bis dreimal so umfangreich, wie wir es von Tapas in Deutschland kennen. Deshalb würden wir lieber erst etwas weniger bestellen und bei Bedarf noch ein Gericht nachbestellen.
Muss man in Madrid mittags essen gehen? Natürlich nicht. Wir haben während unserer Woche fast nie klassisch zu Mittag gegessen. Stattdessen machten wir am Nachmittag eine Pause bei Tinto de Verano, Vermut oder Bier und bekamen häufig eine Tapa dazu. Für uns reichte das vollkommen bis zum Abendessen.
Was sollte man in Madrid unbedingt probieren? Typisch sind unter anderem Tortilla, Croquetas, Jamón, Patatas Bravas und Churros. Wir würden uns aber nicht nur auf die Klassiker konzentrieren. Einige unserer besten Gerichte waren ungewöhnliche Kombinationen, mit denen wir vorher überhaupt nicht gerechnet hatten.
Wo kann man in Madrid günstig frühstücken? Unser bestes Preis-Leistungs-Verhältnis hatten wir bei Revoltosa an der Plaza del Rey. Für zwei Frühstücke mit Kaffee und Orangensaft zahlten wir zusammen 9,80 Euro. Deutlich teurer, aber ebenfalls sehr gut, war unser Frühstück bei Brunchit für 38,50 Euro.
Muss man Restaurants in Madrid reservieren? Wir haben die meisten Restaurants und Bars spontan besucht und damit gute Erfahrungen gemacht. Am Wochenende waren einige Lokale allerdings sehr voll. Wenn du unbedingt in einem bestimmten Restaurant essen möchtest, würden wir deshalb reservieren. Wer flexibel ist, kann sich dagegen auch einfach treiben lassen.
Was ist Tinto de Verano? Tinto de Verano ist ein erfrischendes Mischgetränk aus Rotwein und Zitronenlimonade. Bei den warmen Temperaturen im September wurde es schnell zu einem unserer liebsten Getränke für eine Pause am Nachmittag.
Welche Restaurants könnt ihr in Madrid empfehlen? Besonders empfehlen können wir Oliva Lima mit seinem wöchentlich wechselnden Degustationsmenü. Für uns war es das kulinarische Highlight der Reise. Ebenfalls wieder besuchen würden wir Entre Santos, eine Cocktailbar mit richtig gutem Essen zum Teilen, und Lata Barra im Mercado de San Antón. Diese drei waren geschmacklich unsere Favoriten in Madrid.
Wie kommt man vom Flughafen Madrid in die Innenstadt? Für ein offizielles Taxi vom Flughafen Madrid-Barajas zu einem Ziel innerhalb der M-30 gilt ein Festpreis von 33 Euro pro Fahrt. Wir sind alternativ mit dem Zug gefahren, haben 7,80 Euro pro Person bezahlt und mussten in Chamartín umsteigen.
Madrid weiter entdecken
Madrid besteht aus viel mehr als Palacio Real und Plaza Mayor. Wir haben die Stadt eine Woche lang erkundet, von Chueca und den klassischen Sehenswürdigkeiten bis zu Aussichtspunkten über den Dächern der Stadt, kleinen Bars und richtig guten Restaurants. Dabei sind einige Erfahrungen zusammengekommen, die in einem einzigen Madrid-Guide kaum sinnvoll unterzubringen wären.
Hier findest du nach und nach alle unsere Madrid-Artikel mit persönlichen Erfahrungen und praktischen Tipps für deine eigene Reise:
- Madrid kulinarisch entdecken: Restaurants, Tapas & unsere Erfahrungen
- Madrid durch eine Foodtour entdecken: Essen, Stadtgeschichte und unsere Erfahrungen mit der Tour
- Madrid Sehenswürdigkeiten: Unsere Highlights, Viertel und schönsten Aussichten nach einer Woche in der Stadt
- Formel 1 in Madrid: Unsere Erfahrungen beim Qualifying und alles, was wir rund um unseren Besuch erlebt haben
- Vom Flughafen Madrid ins Zentrum: Taxi, Zug und Metro sowie unsere Erfahrungen mit dem öffentlichen Nahverkehr
- Wo in Madrid übernachten? Warum die richtige Hotellage bei einem Städtetrip einen großen Unterschied macht
- Business Class und Lounges auf dem Weg nach Madrid: Unsere Erfahrungen mit Lufthansa und den Lounges in Hamburg, Madrid und Frankfurt
Und dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Einige Madrid-Geschichten schlummern noch in unseren Fotos und Notizen und bekommen nach und nach ihren eigenen Platz.
Du möchtest noch mehr von Spanien entdecken? In meinem Spanien Reise Guide findest du auch unsere Reisen nach Mallorca und Fuerteventura sowie alle weiteren Spanien-Artikel auf einen Blick.
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