Auf dem Weg zur Kastration: Was muss man bei Maine Coons beachten?
Eben waren sie doch noch winzige, tapsige Fellknäuel, die die Welt auf wackeligen Pfoten erkundet haben. Und plötzlich sitzt man da, schaut sich die beiden Plüschraupen an und stellt fest: Macy und Murphy sind jetzt schon fünf Monate alt. Fünf Monate! Das bedeutet nicht nur, dass sie langsam zu stattlichen Teenager-Coonies heranwachsen, sondern auch, dass ein Thema unaufhaltsam näher rückt, das wohl jedem Katzenbesitzer ein flaues Gefühl im Magen beschert: die Kastration. Bei uns ist diese Nummer allerdings noch ein ganzes Stück sensibler als in vielen anderen Katzen-Haushalten. Macy und Murphy sind schließlich Geschwister. Wenn man ein unkastriertes Pärchen aus derselben Familie zu Hause hat, tickt die biologische Uhr gefühlt doppelt so laut. Mutter Natur kennt da im Zweifel nämlich keine moralischen Grenzen und die Vorstellung von einem plötzlichen, unbeabsichtigten Inzest-Nachwuchs ist der absolute Albtraum. Da darf man den richtigen Zeitpunkt schlicht und ergreifend nicht verpassen.
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Auf der Suche nach der passenden Tierarztpraxis
Weil man so eine wichtige Entscheidung aber nicht zwischen Tür und Angel trifft, habe ich mich erst mal auf die Suche nach der passenden Praxis gemacht. Bei uns in der Umgebung gibt es drei Tierarztpraxen. Nach einer kurzen Google-Recherche und ein paar Umfragen im Freundeskreis hatte ich auch ziemlich schnell meinen Favoriten im Kopf. Und da ich an einem Tag ohnehin gerade in der Ecke unterwegs war, habe ich spontan das Fahrrad geparkt, bin reingegangen und habe einfach mal nachgefragt, ob sie überhaupt noch neue Patienten aufnehmen. Die Antwort war ein freundliches Ja! Weil in der Praxis gerade Leerlauf war, ergab sich direkt ein super nettes, kurzes Gespräch: Was für Tiere? Wie alt? Oh, Geschwister – wie süß! Das Übliche eben. Ich bekam auch direkt die Anmeldebögen zum Ausfüllen mit, damit das Praxisteam bis zu unserem ersten echten Termin genug Zeit hatte, die Akten für Macy und Murphy anzulegen. Eigentlich ein perfekter, total entspannter Start.
Doch dann kam das Gespräch auf die irgendwann bevorstehende Kastration und da muss ich gestehen, wurde mir erst mal ein wenig Angst gemacht, auch wenn das von der Tierarzthelferin vermutlich gar nicht böse gemeint war. Sie schaute mich an und sagte ganz trocken: „Ohne Blutbild und Herzschall legen wir hier niemanden in Narkose.“ Bäm. Das saß. Im ersten Moment schießt einem da natürlich die Panik in den Kopf: Ist das Risiko wirklich so verdammt hoch? Warum dieser riesige Aufwand für eine Routine-Kastration? Der Grund dafür liegt in den Genen unserer Plüschraupen. Bei Maine Coons gibt es nämlich ein paar rassetypische Baustellen, die man vor jeder Narkose auf dem Schirm haben muss. Das größte Thema ist hierbei die sogenannte HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie), eine vererbbare Herzerkrankung, bei der sich der Herzmuskel unbemerkt verdickt. Das Tückische: Man merkt den Kitten im Alltag absolut nichts an, sie toben, fressen und wirken topfit. Wenn das Herz aber unentdeckt geschwächt ist, kann eine normale Narkose schnell lebensgefährlich werden. Das Blutbild zeigt zudem, ob die Organe wie Niere und Leber bereit sind, das Narkosemittel später wieder vernünftig abzubauen. Was im ersten Moment also wie ein riesiger Schock und nach „Geldschneiderei“ klang, ist beim zweiten Nachdenken eigentlich genau das, was einen Top-Tierarzt ausmacht: absolute Gründlichkeit, um jedes vermeidbare Risiko im Keim zu ersticken.

Murphys erster großer Auftritt und eine überraschende Wende
Am Ende meines spontanen Gesprächs mit der Tierarzthelferin stand fest: Wir brauchen erst mal einen Termin zur Voruntersuchung. Ich entschied mich dazu, diesen ersten Termin nur für Murphy auszumachen. Mein Gedanke dahinter: Kater sind meistens etwas früher dran mit der Geschlechtsreife als Kätzchen. Wenn wir Murphy zuerst kastrieren lassen, gewinnen wir für Macy noch ein bisschen Zeit, damit sie in Ruhe weiterwachsen kann, bevor bei ihr die OP ansteht. Ein paar Tage später saß ich also mit Murphy im Behandlungszimmer. Und was soll ich sagen? Die Tierärztin war einfach großartig. Sie ging super cool und empathisch mit ihm um, was leider absolut keine Selbstverständlichkeit ist, wie ich in der Vergangenheit auch schon anders erlebt habe. Murphy wurde gründlich abgehört, abgetestet, die Öhrchen wurden kontrolliert und er wurde sogar einmal liebevoll durchgekämmt. Als die Untersuchung vorbei war, durfte er den Behandlungsraum auf eigene Faust unsicher machen und alles genau inspizieren, während die Ärztin und ich ins Gespräch kamen.
Natürlich brannte mir das Thema Narkose durch die Ansage der Tierarzthelferin unter den Nägeln. Ich sprach die Tierärztin direkt auf den Herzschall und den Bluttest vor der Kastration an. Ihre Reaktion war herrlich ehrlich: Sie schmunzelte und meinte, die Kardiologen stöhnten ohnehin schon, weil mittlerweile viel zu viele Ultraschalls bei völlig symptomfreien Jungtieren gemacht würden. Aus ihrer Sicht sei ein Herzschall vor der Narkose in diesem Alter nicht zwingend notwendig, sie wollte sich aber sicherheitshalber noch mal bei einem Spezialisten umhören. Den Bluttest fand sie dagegen sinnvoll – einfach, um Schwarz auf Weiß zu sehen, ob die Organwerte für den Abbau der Narkosemittel passen. Wir verblieben so, dass sie Rücksprache mit der Kardiologie hält und sich wieder meldet. Außerdem sollte Macy vor der OP ebenfalls noch einen eigenen Vorstellungstermin bekommen.
Der Anruf zwei Wochen später: Was sagt die Wissenschaft?
Zwei Wochen nach unserem Termin klingelte das Telefon. Die Tierärztin hatte wie versprochen mit den Herzspezialisten gesprochen und lieferte mir ein paar hochinteressante Fakten, die meine Sicht auf das Thema komplett verändert haben:
- Der Herzultraschall: Ein verlässlicher Herzschall auf HCM macht bei Katzen erst ab einem Alter von 12 Monaten wirklich Sinn. Vorher ist das Herz schlicht noch im Wachstum, und man kann kaum verlässliche Aussagen über eine spätere Verdickung treffen. Für unsere 5 Monate alten Plüschraupen wäre das also ohnehin viel zu früh gewesen.
- Der DNA-Test (Mundschleimhautabstrich): Es gibt einen Gentest, bei dem die Auswertung in ein Speziallabor in die USA geschickt wird. Dieser zeigt an, ob die Katze die genetische Veranlagung für HCM in sich trägt.
- Der Bluttest (Herzmuskelenzym NT-proBNP): Ein spezieller Schnelltest im Blut, der anzeigt, ob der Herzmuskel aktuell unter einer akuten Überlastung leidet.

Unsere Entscheidung
Warum wir uns nach dieser Aufklärung aktuell gegen die Tests vor der Kastration entschieden haben? Die Begründung ist ganz logisch: Maine Coons sind Spätentwickler. Sie wachsen gut zwei bis drei Jahre lang und genau so lange wächst und verändert sich eben auch ihr Herz. Vor dem zwölften Monat gibt es schlichtweg keine verlässliche Aussage darüber, ob so ein Test oder Schall zu 100 % korrekt ist oder nicht. Es wäre in diesem Alter reines Rätselraten. Und selbst wenn wir den Gentest machen würden: Ein positives Ergebnis sagt am Ende überhaupt nichts darüber aus, ob die Katze die Krankheit jemals wirklich entwickelt. Sie trägt dann nur die Anlage in sich, kann aber trotzdem steinalt und kerngesund werden. Umgekehrt bietet ein negatives Testergebnis leider auch keine absolute Garantie.
Genau deshalb bin ich bei dem Thema auch so extrem hinterher: Weil wir eben keine lückenlosen Testergebnisse der Eltern im Schrank liegen haben, will ich als Katzenmama alles doppelt richtig machen. Der Spagat zwischen der tickenden biologischen Uhr der beiden Geschwister und den rassetypischen Risiken einer Maine Coon kann einen im Kopf ganz schön karussellfahren lassen. Umso beruhigender war das Versprechen unserer Tierärztin: Sollte es bei Murphy mit der Geschlechtsreife jetzt doch plötzlich akut werden, schiebt die Praxis ihn jederzeit sofort für die Kastration dazwischen. Wir sind also auf der absolut sicheren Seite.
Der Praxistest in Schleswig-Holstein: Warum wir uns für eine getrennte Kastration entschieden haben
Mittlerweile haben wir diesen ersten Meilenstein geschafft: Murphy wurde hier bei uns in Schleswig-Holstein kastriert! Und wisst ihr was? Von dem ganzen vorherigen Wind und den teuren Empfehlungen für Herzschall oder Spezial-Bluttests war beim eigentlichen Termin in unserer Praxis plötzlich überhaupt keine Rede mehr. Nichts. Er hat den Eingriff absolut vorbildlich überstanden, und preislich blieb das Ganze mit exakt 154,24 € absolut im fairen Rahmen – kein Vergleich zu den befürchteten Mondpreisen für präventive Kardiologie-Untersuchungen. Als wir ihn in der Praxis abgeholt haben, war er fast schon wieder der Alte und fast vollständig „normal“.
Entgegen der ursprünglichen Empfehlung am Telefon haben wir uns letztlich bewusst für eine getrennte Kastration entschieden und ich würde es sofort wieder genau so machen. Der Hauptgrund dafür: Murphy ist mittlerweile fast doppelt so groß wie Macy. Wenn die beiden toben, hat sie körperlich ohnehin schon das Nachsehen, und ich wollte auf gar keinen Fall, dass sie durch eine verfrühte Kastration oder einen künstlichen Entwicklungsnachteil ins Hintertreffen gerät. Man macht sich im Vorfeld natürlich seine Gedanken, ob das Geschwisterchen den „Arztgeruch“ riecht oder ob es Streit gibt. Aber ganz ehrlich? Ich kann gar nicht oft genug betonen, was für ein unverschämtes Glück wir mit den beiden haben. Macy hat zwar einmal kurz gefaucht, als Murphy zurückkam, aber sich im nächsten Moment sofort liebevoll und fürsorglich um ihren Bruder gekümmert. Mein wichtigstes Learning aus der ganzen Nummer? Man darf sich von ersten Schreckmomenten oder strengen Dogmas nicht ins Bockshorn jagen lassen. Am Ende schaut man auf seine Katzen, berücksichtigt ihre körperliche Entwicklung und findet den Weg, der für alle am entspanntesten ist. Wenn bei dir demnächst auch die erste große OP ansteht: Fühl dich gedrückt. Die Sorgen gehören dazu, aber du bist nicht allein. Vertrau auf dein Bauchgefühl und eine gute Praxis!
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal,
Susann mit Macy & Murphy
Häufige Fragen zur Kastration bei Maine Coons
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Kastration bei Maine Coons?
Oft wird eine Kastration im Alter von ca. 5 bis 7 Monaten empfohlen, besonders wenn man Geschwistertiere (Kater und Katze) zusammen hält, um ungewollten Nachwuchs zu verhindern. Bei Maine Coons sollte man aber immer auch die körperliche Entwicklung im Blick behalten – vor allem, wenn ein Tier im Wachstum deutlich schneller oder größer ist als das andere.
Ist ein Herzschall vor der Narkose Pflicht?
Nein, pauschal ist das bei jungen Kitten in der Regel nicht zwingend erforderlich. Ein verlässlicher Herzultraschall zum Ausschluss von HCM (Hypertrophe Kardiomyopathie) macht laut Kardiologen meist erst ab einem Alter von 12 Monaten Sinn, da das Herz vorher noch stark im Wachstum begriffen ist.
Sollte man Geschwistertiere gleichzeitig kastrieren lassen?
Klassisch wird das oft empfohlen, damit beide nach Tierarzt riechen und niemand „fremdelt“. Es spricht aber absolut nichts dagegen, die Kastration getrennt durchzuführen – vor allem dann nicht, wenn es große Größenunterschiede gibt und man Sorge hat, dass ein Tier durch die OP oder die Nachwehen einen Entwicklungsnachteil beim gemeinsamen Toben erleidet.
Mit welchen Kosten muss man für eine Kater-Kastration rechnen?
Eine unkomplizierte Kater-Kastration bewegt sich nach den regulären GOT-Sätzen in einem sehr fairen Rahmen – bei uns in Schleswig-Holstein lag der Preis beispielsweise bei exakt 154,24 €.
Pfötchen hoch, wer will noch mehr über unsere Reise-Abenteuer und den Vorbereitungen dazu wissen? Hier findest du unsere bisherigen Highlights und Vorbereitungen für Macy & Murphy:
- Coonies’ Conquest – Reisen mit Katzen
- Erfahrungsbericht Maine Coon: Unsere Erwartungen vor dem Einzug vs. die Realität
- Tierversicherung für Katzen: Sinnvoll oder nicht?
- Auf dem Weg zur Kastration: Was muss man bei Maine Coons beachten?
- Große Katze, großes Abenteuer: Der ultimative Geschirr-Guide für Coonies & Co.
- Travelcat „The Navigator“ im Test: Der Katzenrucksack für Maine Coons
- Unser ultimatives Katzenklo-Setup für Maine Coons: Neakasa M1, Edelstahl & Klumpstreu im Test
- Katzenbrunnen im Test: Wir haben zwei ausprobiert und sind ernüchtert
- Mission Ostsee: Unser großer Strand-Check für Murphy & Macy
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